Die recycelte Einladungskarte ist sympathisch, aber sie ist nicht der Hebel. Wer die Umweltwirkung einer Hochzeit senken will, muss bei drei großen Posten ansetzen.
1. Anreise und Übernachtung der Gäste. In den gängigen Fußabdruck-Rechnern für Hochzeiten ist die Mobilität der Gäste der größte Einzelposten, je nach Gästezahl und Entfernung deutlich über die Hälfte des CO₂-Fußabdrucks. Der oft zitierte Richtwert von rund 14,5 Tonnen CO₂-Äquivalent für eine durchschnittliche Hochzeit stammt aus dem britischen Markt (Sustainable Wedding Alliance, auf Basis eines Footprint-Rechners). Das ist eine Größenordnung, keine Messung. Sie zeigt aber, warum Location und Gästeliste die entscheidenden Stellschrauben sind.
2. Essen und Getränke. Regionale, saisonale Küche mit weniger Fleisch senkt die Bilanz spürbar. Auf dem Weingut oder im Landgasthof schmeckt sie ohnehin besser als jedes eingeflogene Menü.
3. Die Gästezahl selbst. Jeder Gast bringt Anreise, Teller, Stuhl und Deko mit. Der Tiny-Wedding-Trend ist deshalb keine reine Stilfrage, sondern die wirksamste Nachhaltigkeitsmaßnahme überhaupt.
Dahinter reihen sich die kleineren Hebel ein, die auch der BUND und Ratgeber wie Schrot&Korn nennen: Floristik aus der Region, Deko leihen statt kaufen, Kleidung aus zweiter Hand oder gemietet, Ringe aus recyceltem Gold, digitale Einladungen.
Der Kontext dazu: Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 in Deutschland rund 348.800 Ehen geschlossen, der niedrigste Stand seit Beginn der Zeitreihe 1950. Es wird seltener geheiratet, aber bewusster. Genau in diese Lücke passt die Green Wedding.